Streik-Blog der Nürnberger Hochschulen

Donnerstag, Januar 19, 2006

Kasperltheater und Trauermarsch

Protestaktionen an Fachhochschule und Akademie

In den meisten bayerischen Hochschulstädten gab es gestern Protestaktionen von Studierenden gegen die geplanten Studiengebühren und den Entwurf des neuen Hochschulgesetzes. Auch in Nürnberg drückten Studierende ihren Unmut aus.

Ist die Debatte um die Einführung von Studiengebühren nur ein lächerliches Kasperltheater oder ein echtes Trauerspiel? Beides, so lautet die Antwort von Studierenden in Nürnberg:

An der Evangelischen Fachhochschule (EFH) in der Bärenschanzstraße fand Version eins statt: Ein tapferes Kasperle musste sich gegen die „bösen Pläne des finsteren Stoiberers“ (Ministerpräsident Edmund Stoiber) und sein unersättliches „Goppelodil“ (Wissenschaftsminister Thomas Goppel) wehren.

Grablichter und Blumen

Und Studierende von der Akademie der Bildenden Künste veranstalteten einen Trauermarsch zu verschiedenen Museen in der Innenstadt, wo sie Blumen und Grablichter hinterließen � zum Zeichen der Trauer über den „Kulturverlust, den Studiengebühren für das Bildungswesen im Allgemeinen und die künstlerische Ausbildung im Besonderen bedeuten“.



„Wir wollen ein deutliches Zeichen setzen, dass wir Studiengebühren ablehnen, weil sie die soziale Selektion verschärfen“, so die Mit-Organisatoren Günter Nagel von der EFH und Johannes Kersting von der Akademie.

Dort braucht jeder Studierende im Monat allein so viel Geld für Material, „wie andere Miete zahlen“, sagt Kersting: „Wir sollen zu möglichst vielen Ausstellungen, auch im Ausland, fahren und wir müssen uns spezielle Kunstbände kaufen, die wesentlich teuerer sind als normale Lehrbücher.“

Malerei kostet Geld

Anna Bittersohl aus der Malerei-Klasse braucht im Monat „locker 200 Euro für Farben, Pinsel und Leinwand. Das müssen wir alles selber zahlen.“ Wer Bildhauerei studiert oder gar lizenzpflichtige Programme für elektronischen Medien benötigt, kommt mit diesem Betrag bei weitem nicht aus.

„Wenn Studiengebühren kommen, kann ich mir das Studium hier nicht mehr leisten. Dann muss ich es abbrechen“, meint der angehende Kunsterzieher Sebastian Zimlich.

Und seine Kommilitonin Helen Friesacher ergänzt: „Oder man muss nebenher so viel jobben, dass das Studium leidet und vor allem wesentlich länger dauert. So viel zu dem Argument, Gebühren würden zu einer Straffung des Studiums führen.“

Und noch ein weiteres Argument für Studiengebühren lassen die Akademie-Studierenden nicht gelten: „Es wird immer gesagt, die Qualität an den Hochschulen würde steigen, wenn man sich noch bewusster für ein bestimmtes Studium entscheidet.“ Genau das Gegenteil sei der Fall: „Es wird nur noch der finanzielle Aspekt zählen: Kann ich mir das Studium überhaupt leisten, weil der Beruf später garantiert genug abwirft?“

Mit Freiheit der Kunst habe das nichts mehr zu tun, sagt Kersting: „Es gibt auch eine kulturelle Armut, und die wird in diesem Land zunehmen, wenn immer nur der wirtschaftliche Nutzen zählt.“ Derselben Meinung sind die Studierenden an der EFH. Nur heißt das bei ihnen: „Wir wollen nicht zu ökonomischen Einheitskaspern werden.“

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